Skilager Vals 2015

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 „Achtung, immer zuerst den Talski anziehen“, rief mir meine Skilehrerin noch zu, aber es war schon zu spät: Die mehrfachen Ermahnungen missachtend rutschte ich schon mit dem Bergski abwärts und einmal mehr konnte ich üben, wie man mit ineinanderverknoteten Skiern wieder aufsteht oder sich mit dem Skistock aus der Bindung befreit. Ich hatte es nicht anders gewollt: Ungefähr zwanzig Jahre nach meinem letzten Versuch, Skifahren zu lernen, hat mich der Ehrgeiz und die Lust gepackt, es noch einmal zu versuchen – freundlich beobachtet von 60 Schülern aus Stegen, die fast alle viel besser Ski fahren als ihre Lehrerin…!

Nun schon zum zwölften Mal fand im Februar diesen Jahres das gemeinsame Skilager des BBZ und dem Kolleg St Sebastian mit gehörlosen, hörgeschädigten und hörenden Schülerinnen und Schülern in Südtirol statt.

Zur Vorbereitung auf die gemeinsame Fahrt gab es bereits im Vorfeld gegenseitige Besuche der Schüler aus den beiden Schulen. So erfuhren die Schüler des Kolleg St. Sebastian an Stationen in Theorie und Praxis, wie es sich anfühlt, wenn man schlecht hört, erfuhren etwas über die Technik von Hörgeräten und Implantaten und lernten, ihre Namen in Gebärdensprache zu nennen.

Nur wenige Tage vor der Abfahrt trafen sich dann endlich 60 aufgeregte Schüler in der Turnhalle des BBZ und lernten sich bei sportlichen Wettkämpfen schon ein wenig kennen. Die Schüler und Schülerinnen wurden in sogenannte „Olympia-Gruppen“ aufgeteilt, die sich sowohl aus BBZlern als auch aus Kolleg-Schülern zusammensetzten. Diese Gruppen sollten bei weiteren Spielen auch im Skilager beibehalten werden. Die Vorfreude wurde immer größer.

Und endlich ging es los an einem verschneiten Samstagmorgen im Februar. Die Fahrt im Doppeldeckerbus verging dank freier Straßen und zwei lustiger Filme erstaunlich schnell. Doch je näher wir uns unserem Ziel näherten, desto weniger Schnee war zu sehen. War unsere Skiwoche etwa in Gefahr?

Aber die Ängste waren unbegründet; wenn auch die Bäume durch den anfänglichen Wind eher grün anstatt weiß waren, so liegt das Skigebiet in Vals und Umgebung doch immerhin zwischen 1300 und 2500 Meter hoch – da waren die Pisten schneebedeckt und die Winterlandschaft so, wie sie sein sollte.

Doch bevor es am nächsten Tag zum Skifahren ging, mussten erst noch die Skier und Snowboards beim Skiverleih geholt, die Zimmer eingerichtet und die Hausregeln geklärt werden. Und nicht zuletzt musste natürlich eines der köstlichen Südtiroler Gerichte verspeist werden, mit denen wir jeden Tag im Gattererhof verwöhnt wurden.

Sonntagmorgens am Frühstückstisch wurden die Schüler in Gruppen nach ihrem Leistungsstand eingeteilt – aber los ging es noch immer nicht, denn eine Sturmwarnung gebot Vorsicht und so langten alle beim leckeren Frühstück noch einmal zu.

Schließlich konnten wir starten: Die Fortgeschrittenen stapften zu Fuß zu ihren Liften und Seilbahnen, um das Skigebiet zu erkunden und die schönsten Hänge auszukundschaften.

Wir Anfänger wurden mit dem Kleinbus zum Übungshang gefahren. Hier lernten wir erst einmal, wie man die Schuhe anzieht und auf den Skiern stehen bleibt. Aber schon vor dem Mittagessen schafften wir es stolz, den kleinen Hügel im Parallelschritt hochzustapfen und im Slalom hinunter zu fahren. Bereits nach dem Essen ging es erstmals zum Liften – welch ein Erfolg!

Am Nachmittag trafen alle Gruppen ein wenig erschöpft, aber glücklich wieder im Gattererhof ein und nach einem weiteren wunderbaren Abendessen begann das Abendprogramm im Gruppenraum, die Weiterführung der Spiele und Wettkämpfe der am Kennenlerntag gegründeten Olympiaspiele. An diesem und den folgenden Abenden hatten alle sichtlich großen Spaß bei Spielen wie „Dalli klick“, „Schlag den Lehrer“ und einem Brettspieleabend. Die Schüler beider Schulen überwanden in dieser angenehmen Atmosphäre jegliche Berührungsängste und das Interesse aneinander und die Freude miteinander war deutlich spürbar.

Tagsüber bei strahlendem Sonnenschein in einer traumhaften Landschaft vor unglaublichem Panorama Ski fahren und am Abend gemeinsam Spiele spielen – ergänzt noch von einem tollen Ausflug ins Spaß- und Thermalbad und ins Ötzimuseum - so verging die Zeit in Vals wie im Fluge.

Am Nachmittag des letzten Tages fand schließlich die große Schneeolympiade bei schönstem Kaiserwetter statt. Die Gruppen konnten noch einmal kräftig Punkte sammeln bei Disziplinen wie dem Konstruieren einer Eisbahn, dem Schreiben eines Gondelgedichts oder dem scharfsichtigen Herausfinden, ob die jeweiligen Geschichten aus der Vergangenheit der verschiedenen Lehrer wahr oder gelogen waren.

Am Abend wurde dann die Siegergruppe bekanntgegeben, die – wie fast alle anderen auch – verkleidet kam. Denn schließlich war schmutziger Dunschdig, den wir in der anschließenden Fasnachtsparty ausgelassen feierten.

Am nächsten Morgen hieß es Abschied nehmen vom Gattererhof, von Vals und Südtirol. Schade, denn auch wenn sich Schüler und Lehrer auf zu Hause und die Fasnachtsferien freuten, so waren doch alle auch ein wenig traurig darüber, dass die schöne Zeit schon vorbei war: Es war eine tolle Woche mit vielen imposanten Eindrücken, Erfolgserlebnissen und spannenden neuen Begegnungen - und nicht zuletzt ein tolles Beispiel von Kooperation!

Und meine persönlichen Skifahrerkünste? Ich bin zwar nicht gerade zur Profiskifahrerin geworden, aber das Gefühl auf Skiern zu stehen und auch ein paar leichtere Hänge in Bögen herunter zu kommen, war ganz große Klasse und hat mir viel Spaß und Lust auf mehr gemacht! Also auch in dieser Hinsicht für mich ein voller Erfolg!

Eva Matscha-Richter

 

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